Essstörungen

Die Magersucht (Anorexia nervosa) sowie die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) sind die bekannteren Krankheitsbilder, die unter dem Begriff Essstörungen zusammengefasst werden.

Die Anorexia nervosa ist charakterisiert durch einen selbstherbeigeführten Gewichtsverlust, während die Bulimia nervosa durch wiederholte Episoden von Essattacken (Fressanfällen) gekennzeichnet ist. Begleitend sind Maßnahmen zur Gewichtsreduktion (selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln oder anderen Medikamenten, Fasten oder exzessive körperliche Betätigung) bei beiden Störungen gehäuft anzutreffen. Ein wesentliches Kennzeichen der Anorexia nervosa als auch der Bulimia nervosa ist eine Störung der Wahrnehmung von Figur und Gewicht. Übergänge und Kombinationen zwischen beiden Essstörungen sind häufig. Es ist bekannt, dass aufgrund soziokultureller Einflüsse eine Zunahme der Essstörungen zu beobachten ist. Allerdings spielen auch genetische, neurobiologische sowie entwicklungspsychologische Faktoren eine Rolle.

Da Essstörungen häufig mit erheblichen Beeinträchtigungen der körperlichen Entwicklung sowie - insbesondere bei der Anorexia nervosa - mit zahlreichen direkten Folgen des Hungerzustandes, einhergehen, erfolgt eine ausführliche körperlich-neurologische Untersuchung mit Laboruntersuchung, gegebenenfalls auch einer Bildgebung des Gehirns (Computertomographie oder Magnetresonanztomographie).

Da Essstörungen gehäuft mit psychiatrischen Begleiterkrankungen einhergehen, findet auch eine ausführliche testpsychologische Untersuchung der Patienten statt.

Insbesondere bei sehr raschem und ausgeprägten Gewichtsverlust sowie einer deutlichen Reduktion der Trinkmenge, häufigem Erbrechen oder zusätzlichen Selbstmordgedanken ist eine rasche Vorstellung in unserer Ambulanz oder bei einem Arzt geboten. Je nach Ausprägung der körperlichen Beeinträchtigung und dem Verlauf der Erkrankung kann ein ambulanter oder tagesklinischer Behandlungsversuch erfolgen. Bei stärker ausgeprägter körperlicher Beeinträchtigung kann eine stationäre Behandlung erforderlich werden. Diese könnte dann in der Aachener Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgen, da mit dieser Klinik ein Kooperationsvertrag besteht.

Primäres Behandlungsziel bei Essstörungen ist die Wiederherstellung eines gesunden Körpergewichtes, die Behandlung körperlicher Komplikationen, die Beratung über ein gesundes Ernährungs- und Essverhalten, die Behandlung der negativen Einstellungen und Gefühle in Bezug auf die Nahrungsaufnahme, das Körpergewicht und das Selbstwertgefühl sowie die Behandlung begleitender psychiatrischer Erkrankungen wie Depressionen oder sozialer Ängste. Die Behandlung findet in der Regel unter Einbeziehung der Familie statt.

Aufgrund des hohen Rückfallrisikos ist im Anschluss an eine stationäre oder teilstationäre Behandlung unbedingt eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Behandlung notwendig.

Die Anmeldung erfolgt über die Institutsambulanz unserer Abteilung.