Spezial-Ambulanz zur Diagnostik und Behandlung von Computerspiel-, Internet- und Mediensucht

Mediensüchtiges Verhalten, insbesondere die nicht stoffgebundene "Online- oder Gamblingsucht" (Glücksspielsucht), stellt eines der großen, aktuellen Probleme nicht nur im Erwachsenenbereich, sondern zunehmend auch im Jugendlichenbereich, teilweise leider auch schon im Kindesalter, dar. Dabei werden die Fälle des sogenannten schädlichen Konsums und des Abhängigkeitssyndroms in den nächsten Jahren vermutlich noch deutlich zunehmen. Bisher bestehen in Deutschland keine bzw. nur wenige etablierte Versorgungsstrukturen für den Missbrauch von Medien bzw. Medienabhängigkeit. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird das Phänomen Medienabhängigkeit als pathologisches Verhaltensmuster weltweit diskutiert und wissenschaftlich untersucht. In einer repräsentativen Stichprobe von 15.024 Personen im Alter von 14-64 Jahren, fanden Rumpf et al. (2011) eine Prävalenz von 1,5% Internetabhängigen deutschlandweit (Frauen 1,3%, Männer 1,7%). In dieser Untersuchung ergaben sich höhere Prävalenzzahlen in der Altersgruppe der 14-24-jährigen (Frauen 2,5% und Männer 2,5%) und unter den 14-16-Jährigen mit insgesamt 4,0% Internetabhängigen (Frauen 4,9%, Männer 3,1%).* Anhand dieser Studienergebnisse wird deutlich, dass davon ausgegangen werden muss, dass eine ernstzunehmende Zahl an Personen, vor allem im Bereich der Jugendlichen, behandlungsbedürftig ist.

In unserer Abteilung wird eine ausführliche Diagnostik, die auch eine testpsychologische und emotionale Untersuchung beinhaltet, durchgeführt.  Nach einer ausführlichen Beratung der Eltern und des Kindes erfolgt eine störungsspezifische, verhaltenstherapeutische Behandlung, die neben dem problematischen oder süchtigen Verhalten auch die komorbiden (begleitenden) Störungen angemessen fokussiert. Hier bilden in erster Linie die Angst- und depressiven Störungen eine relevante Gruppe, aber auch der Konsum von psychotropen Substanzen („Drogen") spielt oft eine Rolle. Daher wird immer auch geprüft, ob zunächst eine gezielte Behandlung einer stoffgebundenen Sucht oder von anderen affektiven oder Verhaltensstörung(en) vonnöten ist. Kooperationen mit Kliniken, die auf (medien-) süchtiges Verhalten bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind, sollen dabei für kurze Wartezeiten sorgen.

Zusätzlich planen wir eine Elterngruppe für Jugendliche mit mediensüchtigem Verhalten, um deren pädagogische ebenso wie die Medienkompetenzen zu stärken und eine möglichst niedrige Rückfallquote nach der Behandlung zu erreichen.

Die Anmeldung erfolgt über die Institutsambulanz unserer Abteilung (Tel. 02421 805-6712; E-Mail: iakjp.smh-dn@ct-west.de).

*Quelle: Rumpf, H.-J., Meyer, C., Kreuzer, A. & John, U. (2011) Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA)- Bericht an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Lübeck: Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.