Kommerzienrat Wilhelm Johann Matthias Schüll

Vor über 140 Jahren war organisierte Krankenversorgung ein Fremdwort, ob stationär oder ambulant. Auch in Birkesdorf, heute Stadtteil von Düren, gab es niemanden, der sich gezielt und mit Fachkenntnissen um die Kranken kümmerte. An eine Krankenversicherung gar wagte 1868 kaum jemand zu denken, obwohl sie schon 15 Jahre später im Deutschen Reich eingeführt wurde.

Was es in Birkesdorf gab, war die "Kinder-Verwahrschule". Die industrielle Revolution hatte auch hier Einzug gehalten. Düren und Umgebung waren schon lange ein Zentrum der Papierherstellung.

Wilhelm Johann Matthias Schülls Großvater Johann Schüll hatte - zunächst gemeinsam mit einem  Bruder - seit Ende des 18. Jahrhunderts in Birkesdorf eine Papierfabrik betrieben und 1815 die Lizenz erhalten, neben der Papier- auch die Tuchfabrikation aufzunehmen. Er selbst stellte weiterhin hauptsächlich Papier her, aber sein Sohn Wilhelm Leonhard verlagerte um 1850 das Schwergewicht auf die Tuchherstellung. 

Kunstwolle - Wolle aus Lumpen - war damals zu einem Renner geworden, dem sich aber erst sein Sohn Wilhelm Johann Matthias Schüll zuwandte. Der vom König zum "Commerzienrath" geadelte Fabrikant war der größte Mäzen des 19. Jahrhunderts am Ort. Er hatte nur ein Problem: Er brauchte dringend Arbeiterinnen. Doch wohin sollten die Mütter ihre Kinder bringen, wenn sie bei dem Industriellen ihr tägliches Brot verdienen wollten?

Deshalb gründete Wilhelm J. M. Schüll die "Kinder-Verwahrschule", eine frühe Form des Kindergartens. Die Gemeinde Birkesdorf verwaltete die Verwahrschule, doch was weder sie noch Wilhelm J. M. Schüll hatte, war eine geeignete Leitung für die Einrichtung.