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Von der Hausgeburt zur modernen Klinik

Geburtshilfe und Gynäkologie. Ihre Geschichte ist eng mit gesellschaftlichen Veränderungen, medizinischem Fortschritt und dem Wandel der Rolle von Frauen, Familien und Medizin verbunden – und ebenso eng mit der Geschichte des St. Marien-Hospitals selbst.

Geburtshilfe im historischen Wandel

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein kamen Kinder überwiegend zu Hause zur Welt. Hebammen begleiteten die Geburten mit großem Erfahrungswissen, Krankenhäuser galten vor allem als Orte für arme oder schwer erkrankte Menschen. Auch im Raum Düren waren Hausgeburten lange Zeit die Regel. Erst mit der zunehmenden Erkenntnis über Hygiene und Infektionsschutz begann sich dieses Bild langsam zu verändern.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden erste Entbindungsanstalten und Frauenkliniken. Die Geburtshilfe verlagerte sich schrittweise in medizinische Einrichtungen, insbesondere bei komplizierten Verläufen. Dennoch blieben Hausgeburten – gerade in ländlichen Regionen – bis weit nach dem Ersten Weltkrieg verbreitet.
Einen tiefen Einschnitt bedeuteten die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Auch das St. Marien-Hospital lag größtenteils in Trümmern, viele Geburten fanden notgedrungen wieder zu Hause statt. Umso bemerkenswerter ist der rasche Wiederaufbau nach 1945: Mit großem Engagement kehrten die Franziskanerinnen nach Birkesdorf zurück und nahmen auch die gynäkologische und geburtshilfliche Versorgung erneut auf.

Medizinischer Fortschritt und wachsende Sicherheit

Mit dem medizinischen Aufschwung der Nachkriegszeit wurde die Krankenhausgeburt in den 1950er- und 1960er-Jahren zunehmend zur Norm. Neue Möglichkeiten wie moderne Anästhesieverfahren, verbesserte Kaiserschnitt-Techniken und – ab Ende der 1960er-Jahre – der Ultraschall revolutionierten die Geburtshilfe. Mütter- und Säuglingssterblichkeit gingen deutlich zurück.

1973 – moderne Inkubatoren zur Überwachung von Frühgeborenen

In den 1970er- und 1980er-Jahren hielt weitere Technik Einzug: die kontinuierliche Herztonüberwachung (CTG), moderne Neonatologie und spezialisierte geburtshilfliche Teams erhöhten die Sicherheit weiter. Gleichzeitig wandelte sich auch das Erleben der Geburt. Väter, die früher meist im Hintergrund blieben, wurden zunehmend aktiv einbezogen. Heute erleben schätzungsweise neun von zehn Vätern die Geburt ihrer Kinder unmittelbar mit.
Auch gesellschaftliche Einstellungen änderten sich: Stillen, in den 1970er-Jahren zeitweise als unmodern betrachtet, gewann durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse wieder an Bedeutung. Konzepte wie das heute selbstverständliche „Rooming-in“, bei dem Mutter und Kind von Beginn an zusammenbleiben, stärkten die frühe Bindung und förderten einen natürlichen Start ins Familienleben.

Wachstum entgegen dem Trend – die Geburtshilfe am St. Marien-Hospital

Während seit den 1990er-Jahren deutschlandweit viele kleinere Geburtsstationen aus wirtschaftlichen und personellen Gründen schließen mussten, entwickelte sich die Geburtshilfe am St. Marien-Hospital bewusst in die entgegengesetzte Richtung. Wo Anfang der 1990er-Jahre noch rund 800 Kinder pro Jahr geboren wurden, sind es heute etwa 1.800.
Diese Entwicklung ist das Ergebnis gezielter Investitionen und fachlicher Spezialisierung. 

2001 Chefarzt Dr. Kiesselbach mit Video-Koloskopie

Bereits in den frühen 1990er-Jahren wurde Akupunktur zur Geburtsunterstützung eingeführt, Mitte des Jahrzehnts folgte die Periduralanästhesie (PDA), die vielen Frauen eine effektivere Schmerzlinderung ermöglichte. Parallel verbesserten sich die personellen Strukturen: mehr spezialisierte Fach- und Oberärzte, hochqualifizierte Hebammen und moderne Arbeitsbedingungen.

Ein Meilenstein war der Ausbau der Pränataldiagnostik, für die das St. Marien-Hospital seit dem Jahr 2000 überregional bekannt ist. Ende der 1990er-Jahre hielt zudem die sogenannte Feindiagnostik Einzug – eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung, mit der bereits während der Schwangerschaft organische Entwicklungen und mögliche Fehlbildungen des ungeborenen Kindes frühzeitig erkannt werden können.

Kreißsaal vor 2016
Einer von 5 klimatisierten, modernen Kreißsälen

Mit der Einweihung neuer Kreißsäle im Jahr 2016 und der kontinuierlichen Weiterentwicklung des geburtshilflichen Konzepts verbindet das St. Marien-Hospital heute modernste Medizin mit einem hohen Maß an Selbstbestimmung für werdende Mütter. Trotz deutschlandweit steigender Kaiserschnittraten – aktuell etwa 33 Prozent – gilt unverändert: Die Entscheidung über den Geburtsweg liegt bei der Mutter, begleitet durch qualifizierte Hebammen, Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte.

Nähe von Anfang an – Wandel in der Versorgung von Mutter und Kind

Mit dem medizinischen Fortschritt veränderte sich nicht nur die Sicherheit der Geburt, sondern auch der Umgang mit Neugeborenen nach der Entbindung. Über viele Jahrzehnte war es üblich, Mutter und Kind räumlich zu trennen. Die Neugeborenen wurden in eigenen Säuglingszimmern versorgt, in denen die Kinder in Reih und Glied nebeneinander lagen. Zu festen Still- oder Fütterungszeiten wurden sie in großen fahrbaren Kinderbetten – im Volksmund liebevoll „Babytaxis“ genannt – zu ihren Müttern gebracht. Schlafende Babys wurden dafür geweckt, der Tagesablauf war klar strukturiert und stark an den organisatorischen Abläufen der Klinik orientiert. Für viele Eltern gehörte auch der Blick in das Säuglingszimmer dazu, wo man die Kinder anderer Familien betrachten konnte – ein damals selbstverständlicher Teil des Klinikalltags.

Ab den 1980er- und verstärkt in den 1990er-Jahren setzte jedoch ein grundlegendes Umdenken ein. Medizinische und psychologische Erkenntnisse zeigten zunehmend, wie wichtig der unmittelbare und kontinuierliche Kontakt zwischen Mutter und Kind für die Bindung, die emotionale Stabilität und den Stillbeginn ist. Schritt für Schritt hielt daher das Rooming-in Einzug in die Geburtshilfe: Die Neugeborenen blieben bei ihren Müttern im Zimmer und wurden nicht mehr routinemäßig in Säuglingszimmer verlegt.

Auch am St. Marien-Hospital wurde dieser Wandel konsequent umgesetzt. Mit der Einführung des Rooming-in verlor das Säuglingszimmer nach und nach seine Bedeutung und wurde schließlich vollständig aufgegeben. Heute ist es gängige Praxis, dass Mutter und Kind von Beginn an zusammenbleiben – begleitet von Hebammen, Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten, die individuell unterstützen, beraten und Sicherheit geben. Dieses Konzept stärkt nicht nur die frühe Mutter-Kind-Bindung, sondern fördert auch das Stillen und gibt Eltern mehr Selbstvertrauen im Umgang mit ihrem Neugeborenen.

Fachkompetenz heute – Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf höchstem Niveau

Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am St. Marien-Hospital Düren steht heute für ein breit gefächertes und hoch spezialisiertes medizinisches Angebot, das moderne Spitzenmedizin mit persönlicher Betreuung verbindet. Unter der Leitung von Chefarzt Dr. Axel Sauerwald vereint die Klinik langjährige Erfahrung, fachliche Exzellenz und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Das Leistungsspektrum umfasst die gynäkologische Ultraschalldiagnostik ebenso wie minimal-invasive chirurgische Verfahren, mit denen viele Eingriffe besonders schonend durchgeführt werden können. Einen weiteren Schwerpunkt bilden spezialisierte Sprechstunden, darunter die Endometriose- und Dysplasie-Sprechstunde mit kolposkopischer Abklärung sowie die urogynäkologische Versorgung von Patientinnen mit Blasenschwäche und Beckenbodensenkungen. Auch die Kinder- und Jugendgynäkologie ist fest im klinischen Angebot verankert und ermöglicht eine altersgerechte und einfühlsame Betreuung junger Patientinnen.

2025 Dr. med. Miriam Barkowsky - Sektionsleitung Geburtshilfe und Pränataldiagnostik

Ein besonderer Fokus liegt auf der Behandlung von Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane im Rahmen der gynäkologischen Onkologie sowie auf qualifizierten Zweitmeinungen, insbesondere bei onkologischen Fragestellungen oder vor geplanten Gebärmutterentfernungen. Ergänzt wird dieses Angebot durch die Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen in enger Zusammenarbeit mit dem Brustzentrum Düren.
In der Geburtshilfe verfügt das St. Marien-Hospital über eine leistungsstarke geburtshilfliche Abteilung mit Perinatalzentrum, die sowohl normale Geburten als auch Risikoschwangerschaften umfassend betreut. Eine hochentwickelte Pränataldiagnostik ermöglicht bereits während der Schwangerschaft eine differenzierte Beurteilung der kindlichen Entwicklung und schafft Sicherheit für werdende Eltern.

Eine zentrale Rolle in der Geburtshilfe am St. Marien-Hospital spielen die Hebammen, die werdende Mütter kompetent, einfühlsam und kontinuierlich begleiten. In den modern ausgestatteten Kreißsälen stehen vielfältige Möglichkeiten für eine selbstbestimmte Geburt zur Verfügung – von der klassischen natürlichen Entbindung bis hin zur Wassergeburt. Darüber hinaus bietet das St. Marien-Hospital auch die Möglichkeit einer hebammengeleiteten Geburt für Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft, bei der die physiologische Geburt im Mittelpunkt steht und ärztliche Unterstützung jederzeit verfügbar bleibt. Unabhängig davon, ob eine spontane Geburt, ein geplanter oder medizinisch notwendiger Kaiserschnitt ansteht, begleitet das interdisziplinäre Team aus erfahrenen Frauen- und Kinderärzten, Hebammen und Kinderkrankenschwestern die Familien auf ihrem individuellen Weg. Ziel ist stets eine sichere, sanfte und möglichst natürliche Geburt in einer ruhigen, wertschätzenden und vertrauensvollen Atmosphäre.

2026 Interdisziplinäres Team der Geburtshilfe. Ärzte und Hebammen arbeiten Hand in Hand für eine sichere und einfühlsame Betreuung.

Damit bietet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am St. Marien-Hospital eine ganzheitliche Versorgung für Frauen in allen Lebensphasen und unterstreicht den Anspruch des Hauses, medizinische Kompetenz, menschliche Nähe und verantwortungsvolle Begleitung miteinander zu verbinden.

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