Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation
  • Kontakt
  • News
  • AA

    Sie können die Schrift in Ihrem Browser durch gleichzeitiges Drücken der Tasten Strg und + vergrößern und mit den Tasten Strg und - wieder verkleinern.

Leben retten. Hoffnung schenken.

Lebensrettung durch Stammzellspende - Ein Erfahrungsbericht von David Müller aus dem St. Marien-Hospital

Wenn bei einem Menschen eine schwere Erkrankung des blutbildenden Systems diagnostiziert wird, kann eine Knochenmark- bzw. Stammzellspende oft die einzige Chance auf Heilung sein. Jedes Jahr sind weltweit viele tausend Patientinnen und Patienten auf eine solche Spende angewiesen – doch die Suche nach einem passenden genetischen Match ist schwierig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein geeigneter Spender gefunden wird, liegt häufig nur im Bereich von 1:100.000 oder sogar darunter.

Gerade weil passende Spenderinnen und Spender so rar sind, ist jede Registrierung und jede tatsächliche Spende ein entscheidender Schritt. Für Betroffene bedeutet sie nicht nur eine medizinische Behandlung, sondern die ganz reale Möglichkeit auf ein neues, gesundes Leben.
Auch im St. Marien-Hospital wurde diese Bedeutung greifbar: David Müller, Lehrer für Pflegeberufe am Rur-Campus, hat vor Kurzem selbst an einer Stammzellspende teilgenommen.

Ein erster Schritt – und ein Warten über Jahre

Alles beginnt mit einer einfachen Blutspende. Dort wird David Müller von einem Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung gefragt, ob er sich typisieren lassen möchte. Herr Müller willigt ein – eine Entscheidung, die er eher beiläufig trifft und deren Tragweite er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnt.

Einige Zeit später folgt der Anruf: Er könnte möglicherweise als Spender infrage kommen. „Ich war überrascht, aber natürlich hochmotiviert“, erinnert er sich. Eine genauere Blutuntersuchung folgt – das Ergebnis jedoch ernüchternd: Ein anderer Spender passt besser. Zwei Jahre vergehen.

Dann erneut ein Anruf der Stiftung – wieder die Bitte um eine genauere Untersuchung. Dieses Mal bringt der Test die Nachricht, die alles verändert:
David Müller soll Stammzellspender für eine Leukämie-Patientin werden.

Voruntersuchung und Vorbereitung

Zur umfassenden medizinischen Einschätzung fährt Herr Müller nach Düsseldorf. Ein ganzer Tag voller Untersuchungen, Gespräche und Aufklärung liegt vor ihm. „Als klar wurde, dass ich wirklich helfen kann, war das ein besonderer Moment“, erzählt er.
Drei Monate dauert die Vorbereitung der Patientin, bevor sie die Stammzellen erhalten kann. Eine Zeit, in der auch David Müller viel nachdenkt und auf den Start wartet:
„Was bedeutet das für mich? Können meine Stammzellen wirklich jemandem helfen? Wer ist dieser Mensch?“
Um seinen Körper optimal auf die spätere Entnahme vorzubereiten, erhält Herr Müller ein Medikament zur Injektion, das die Produktion und den Übergang der Stammzellen ins Blut anregt.

Der große Tag – sechs Stunden, die ein Leben verändern können

Einen Tag vor der Spende reist David Müller mit seiner Partnerin, als Unterstützung im Gepäck an, checkt ins Hotel ein und genießt das üppige Abendessen. Am nächsten Morgen ist die Nervosität spürbar, das Frühstück lässt er lieber aus.

Dann beginnt die Entnahme, die mehrere Stunden dauert und über ein spezielles Gerät erfolgt, das aus dem Blut die Stammzellen filtert.

Für Herrn Müller ist es auch ein beruflicher Perspektivwechsel: „Es war eine ganz neue Erfahrung, selbst ‚Patient‘ zu sein. Das gibt mir neue Impulse für meinen Beruf – wie sich Menschen fühlen, welche Sorgen und Erwartungen sie haben. Diese Eindrücke kann ich meinen Schülerinnen und Schülern weitergeben.“

Nach rund sechs Stunden ist es geschafft: Etwa 150–200 Milliliter Stammzellen – und die Hoffnung, einem Menschen ein neues Leben zu ermöglichen.

Teamgeist, der trägt

Als der Termin feststand, musste einiges organisiert werden. Unterricht musste verlegt, Kolleginnen und Kollegen um Hilfe geben werden – die Unterstützung war enorm.
Meine Kolleginnen und Kollegen haben sofort zugesagt, meine Stunden zu übernehmen“, berichtet David Müller. Besonderen Zuspruch bekam er von Kollegen, die selbst schon mit der Erkrankung oder dem Spenderverfahren konfrontiert waren.
Da wurde mir bewusst, dass ich nicht nur ein Leben rette, sondern das Leben der Angehörigen gleich mit. Das hat meine Entschlossenheit noch weiter gestärkt.“
Auch von der Geschäftsführung erhielt er persönliche Unterstützung. Dass das St. Marien-Hospital den Verdienstausfall nicht bei der Stiftung geltend machte, sondern als Spende verbuchte, hat ihn besonders gerührt:
„Es freut mich sehr, dass ich so viel Rückhalt erfahren habe.“

Unterricht, der unter die Haut geht

In der Ausbildung zur generalistischen Pflegefachkraft am Rur-Campus Düren ist das Thema Leukämie Teil des Lehrplans. David Müller nutzt die Gelegenheit und berichtet den Kursen von seiner eigenen Erfahrung.
Die Schülerinnen und Schüler konnten gezielt Fragen stellen, ihr Wissen vertiefen – und einige wollten sich danach selbst typisieren lassen“, erzählt er stolz.

Eine Nachricht, die alles wert ist

Sechs Monate nach der Spende erhält David einen anonymisierten Brief der Empfängerin.
Die Therapie hat angeschlagen. David ist tief berührt:
„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, so eine Nachricht zu bekommen.“
Ein Appell aus Erfahrung
Zum Schluss richtet David Müller eine klare Botschaft an alle:

„Mit einer einfachen Speichelprobe oder wenigen Millilitern Blut könnt ihr vielleicht ein Leben – oder gleich mehrere – retten“

Schließen