Wenn alles anders kommt – Eine Frühgeburt, die unser Leben veränderte
Als Elina Hild in der 30. Schwangerschaftswoche ist, scheint zunächst alles in Ordnung. Noch über zwei Monate bis zur Entbindung, keine Sorgen, keine besonderen Auffälligkeiten. Als sie eines Tages mit Magenschmerzen ins Krankenhaus fährt, rechnet sie mit allem – nur nicht damit, dass sich ihr Leben innerhalb weniger Stunden grundlegend verändern wird.
Ein Bluttest bestätigt den Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung. Ab diesem Moment geht alles sehr schnell: Notkaiserschnitt. Carlo kommt mit nur 1.270 Gramm im St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf zur Welt. Von einem Augenblick auf den anderen ist nichts mehr wie zuvor.
Ein Ausnahmezustand – und ein Team, das trägt
Im Krankenhaus greifen die Rädchen sofort ineinander. Hebammen, Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und Kinderärzte arbeiten Hand in Hand. Viele Menschen kümmern sich gleichzeitig um Mutter und Kind – mit großer Empathie und Einfühlungsvermögen. Dafür ist Frau Hild bis heute dankbar.
„Mir ging es selbst nicht gut, und gleichzeitig zu wissen, dass mein Kind in einem Inkubator liegt, war unendlich schwer“, erinnert sie sich. Freunde und Bekannte gratulierten zur Geburt, doch ihr eigener Gedanke war nur: Was gibt es da zu gratulieren? Glück fühlte sich in diesem Moment ganz anders an.
Der erste Moment Nähe
Noch bevor Frau Hild überhaupt auf ihrem Zimmer angekommen ist, bringt das Pflegepersonal sie direkt zu ihrem Sohn. Der erste intime Moment: Hautkontakt, Nähe, Kuscheln – nur Mutter und Kind. Ein Augenblick, der alles verändert.
Von da an verbringt sie jede mögliche Minute bei Carlo. Bonding, Körperkontakt, Nähe. Diese Momente fördern nicht nur die Bindung, sondern beruhigen Frühchen und unterstützen ihre Entwicklung maßgeblich.
Ein glücklicher Zufall
Dass Frau Hild im St. Marien-Hospital gelandet ist, war zunächst Zufall. Erst im Nachhinein erfährt sie, dass das St. Marien-Hospital auf Risikogeburten und Frühgeborene spezialisiert ist. Heute weiß sie: Es hätte keinen besseren Ort geben können. „Ich würde immer eine Klinik mit angeschlossener Kinderklinik wählen, denn man weiß nie, was passiert“, so Elina Hild. Besonders wichtig sei für sie auch die Nähe zum Wohnort gewesen: „Eine Frühgeborenenstation direkt in Wohnortnähe zu haben, ist eine enorme Erleichterung. Die Situation war sehr herausfordernd, da waren wir froh, dass wir nicht jeden Tag nach Aachen oder Köln fahren mussten. Ich weiß auch nicht, ob das immer geklappt hätte.“
Alle medizinischen Schritte wurden transparent, ruhig und verständlich erklärt. Fragen waren jederzeit willkommen. Das Ziel war klar: so viel Zeit wie möglich mit dem eigenen Kind verbringen, selbst wickeln, füttern, Eltern sein – trotz Intensivstation.
Angeleitetes Elternwerden
Am Anfang war alles überwältigend: das erste Kind, unzählige Schläuche, Monitore, Geräte. Eine Pflegefachkraft sagte einen Satz, der bis heute nachwirkt:
„Klingeln Sie großzügig. Wir sind für Sie da – wann immer Sie uns brauchen.“
Es fühlte sich an wie ein angeleitetes Elternwerden. Sicherheit in einer unsicheren Situation. Carlo durfte rund um die Uhr besucht werden, es gab keine festen Besuchszeiten. Dennoch nahmen sich die Eltern bewusst Auszeiten und fuhren nachts nach Hause.
„Ich konnte nur deshalb gehen, weil ich wusste: Meinem Kind geht es hier gut. Ein großartiges Team passt jederzeit auf Carlo auf.“
Nach sieben Wochen durfte Carlo schließlich nach Hause.
Wachsamkeit, die Leben schützt
Einige Wochen später bemerkt Frau Hild Veränderungen bei ihrem Sohn. Die enge Bindung und die Sensibilisierung, die sie auf der neonatologischen Station erfahren hat, lassen sie spüren: Etwas stimmt nicht. Carlo scheint Schmerzen zu haben.
Ohne Umwege kehrt sie ins Krankenhaus zurück. Carlo hat eine schwere Infektion, sofort wird die entsprechende Behandlung eingeleitet. Zwei weitere Wochen verbringen Mutter und Sohn auf der neonatologischen Station.
Ein Elternbett im Zimmer ermöglicht es, Tag und Nacht beim Kind zu sein. Eine Küche für Eltern schafft Raum für Austausch, Gespräche und gegenseitige Unterstützung. Trotz der Belastung entsteht eine Atmosphäre, die Halt gibt.
Dankbarkeit und Vertrauen
Diese Zeit hat Spuren hinterlassen – aber auch Vertrauen, Stärke und Dankbarkeit. Dankbarkeit für ein Team, das nicht nur medizinisch kompetent ist, sondern menschlich begleitet. Für eine Umgebung, in der Eltern trotz Ausnahmesituation Eltern sein dürfen.
Manchmal kommt alles anders als geplant. Doch mit den richtigen Menschen an der Seite kann selbst der schwerste Weg ein Stück leichter werden.