150 Jahre Pädiatrie am St. Marien-Hospital
Die Entwicklung der Kinderheilkunde
Seit 150 Jahren steht das St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf für medizinische Versorgung im Dienst der Menschen – und von Beginn an auch im Dienst der Kinder. Die Geschichte der Kinderklinik ist dabei nicht nur ein Spiegel der Entwicklung unseres Hauses, sondern auch der rasanten Fortschritte der Pädiatrie insgesamt.
Die Anfänge: Kinder als Teil der allgemeinen Krankenversorgung
Schon seit der Gründung des Krankenhauses wurden neben Erwachsenen auch Kinder stationär aufgenommen. Bereits früh erkannte man, dass Kinder besondere Bedürfnisse haben: Es wurden separate Zimmer für Säuglinge, Klein- und Schulkinder eingerichtet. Die ärztliche Betreuung übernahmen zunächst die in Düren-Birkesdorf niedergelassenen Ärzte – eine eigene kinderärztliche Fachabteilung existierte zu dieser Zeit noch nicht.
Diese frühe Phase entspricht auch der allgemeinen Entwicklung der Pädiatrie im ausgehenden 19. Jahrhundert. Kinder galten lange Zeit nicht als eigene Patientengruppe mit spezifischen Krankheitsbildern, sondern wurden medizinisch wie „kleine Erwachsene“ behandelt. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Kinder eine spezialisierte medizinische Betreuung benötigen.
Professionalisierung nach dem Ersten Weltkrieg
KI generiert | Kinderstation in der Nachkriegszeit. Pädiatrische Belegärzte übernahmen die medizinische Betreuung, ausgebildete Kinderkrankenschwestern der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen Salzkotten die Pflege.
Nach dem Ersten Weltkrieg wandelte sich die medizinische Versorgung grundlegend. Auch in Birkesdorf wurden Kinder zunehmend durch Belegärzte oder hauptamtliche Fachärzte betreut. Ein bedeutender Meilenstein folgte 1926 mit der Eröffnung der ersten Belegabteilung unter Leitung eines pädiatrischen Facharztes – ein entscheidender Schritt hin zu einer eigenständigen Kinderheilkunde.
Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt erfolgte 1930: Mit der Ankunft der ersten staatlich geprüften Kinderkrankenschwester der Salzkottener Franziskanerinnen begann die spezialisierte pflegerische Versorgung von Kindern. Bis dahin hatten Krankenschwestern aus der Erwachsenenpflege diese Aufgaben übernommen.
Wachstum und neue medizinische Möglichkeiten
Wie viele andere Stationen wurde auch die Kinderstation im Laufe der Jahre stetig erweitert. Während sie 1930 Platz für rund 30 Kinder bot, verfügt das St. Marien-Hospital heute über eine deutlich größere Kapazität in der Pädiatrie. Inzwischen werden jährlich mehr als 3.650 Kinder stationär versorgt. Zusätzlich erhalten rund 18.000 Kinder pro Jahr ambulante Behandlungen – sei es in der Notaufnahme oder im Rahmen spezialisierter Sprechstunden.
1962 wurde eine eigene pädiatrische Fachabteilung geschaffen, die medizinisch wesentlich leistungsfähiger war. Zuvor mussten viele Frühgeborene sowie Kinder mit schweren Infektionskrankheiten in größere Kinderkliniken nach Aachen oder Köln verlegt werden.
Nun konnten erstmals die Inkubatorpflege von Frühgeborenen, die postnatale Versorgung gefährdeter Neugeborener sowie die Betreuung erkrankter Klein- und Schulkinder in größerem Umfang vor Ort erfolgen. Moderne diagnostische Verfahren wie EKG, Herzschalluntersuchungen, EEG und weitere Untersuchungsmethoden hielten Einzug. Auch die ambulante Betreuung chronisch kranker Kinder wurde aufgebaut.
Inkubatorenraum mit Pendelenergieschienen
Elektroencephalographie
Eigenständige Kinderklinik und neue Betreuungskonzepte
Die stetig wachsende Nachfrage nach pädiatrischen Betten sowie Isoliermöglichkeiten für infektiös erkrankte Kinder führte zu einem starken Anstieg der Belegzahlen. 1972 wurden bereits mehr als 1.000 Kinder stationär behandelt.
1973 wurde die Kinderabteilung aus dem Haupthaus ausgelagert und in ein neu errichtetes Gebäude innerhalb des Krankenhauskomplexes verlegt. Dabei entstanden auch neue Betreuungskonzepte: Da es damals noch nicht üblich war, dass Eltern dauerhaft bei ihren Kindern im Krankenhaus blieben, wurden sogenannte Pflegeboxen eingerichtet. Diese durch Glas abgetrennten Bereiche ermöglichten eine kontinuierliche Überwachung mehrerer Kinder bei gleichzeitiger Einhaltung von Isolationsmaßnahmen.
Pflegeboxen mit Isolationszimmern
Neubau Kinderklinik auf dem Klinikkomplex
Die Intensivpflege und der Frühgeborenenbereich wurden als separate Station im dritten Obergeschoss angesiedelt – ein weiterer Schritt hin zu einer hochspezialisierten Versorgung.
Moderne Pädiatrie: familienorientiert und hochspezialisiert
Die Anforderungen an die Kinder- und Jugendmedizin sind in den vergangenen Jahrzehnten weiter gestiegen. Frühgeburten nehmen zu – unter anderem durch das höhere Alter der Gebärenden, künstliche Befruchtungen sowie Risikoschwangerschaften im Zusammenhang mit Diabetes, Adipositas oder schwierigen sozialen Bedingungen.
Im Jahr 2023 wurde die Kinderintensivstation umgebaut und neu konzipiert – direkt neben dem Kreißsaal mit familienfreundlichen Rooming-In-Zimmern. Die Station ist mit acht Beatmungsplätzen für Neugeborene und große Kinder ausgestattet, verfügt über 20 flexible Betten, zwei Notfallaufnahme-Plätze und separate Räume für Isolierpatienten.
Inkubator- heute
Alle Bettenplätze sind mit modernster Medizintechnik ausgestattet. Durch neue Raumkonzepte, bedarfsorientierte Bettenzuordnung und eine vervierfachte Anzahl an Isolierzimmern konnte die Kapazität deutlich erhöht werden.
Ein zentrales Element der modernen Versorgung ist die familienorientierte Intensivpflege. Eltern können rund um die Uhr bei ihren Kindern bleiben und von Beginn an eine enge Bindung aufbauen – ein wichtiger Faktor für die Genesung der kleinen Patientinnen und Patienten.
Ein Team aus spezialisierten Kinderintensivpflegekräften und Neonatologinnen und Neonatologen gewährleistet an 365 Tagen im Jahr eine lückenlose Versorgung auf höchstem medizinischem Niveau.
Ebenfalls 2023 zog die Kinderstation zurück ins Haupthaus in die vollständig renovierte vierte Etage. Größere Zimmer, Beistellbetten für Eltern, eigene Nasszellen sowie die neue Kindernotfallambulanz im Erdgeschoss sorgen heute für deutlich mehr Komfort und eine noch bessere Versorgung.
150 Jahre Verantwortung für die nächste Generation
Heute ist das St. Marien-Hospital das einzige Kinderzentrum zwischen Köln und Aachen mit spezialisierter Versorgung im Perinatalzentrum, im Diabeteszentrum für Kinder und in der Kinder-Pneumologie mit hochspezialisierter Diagnostik und Expertise in der Therapie akuter und chronischer Atemwegserkrankungen.
Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie gewährleistet eine ganzheitliche, individuell abgestimmte und bestmögliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen – medizinisch, psychosozial und familienorientiert.
Die Geschichte der Kinderklinik in Birkesdorf ist eine Geschichte des Wandels, des Fortschritts und des kontinuierlichen Engagements für die jüngsten Patientinnen und Patienten. Von den ersten Kinderzimmern bis zur hochmodernen, familienorientierten Pädiatrie von heute zeigt sich:
Die Medizin für Kinder war und ist ein zentraler Bestandteil unseres Hauses – gestern, heute und in Zukunft.
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