Drei Wochen ohne Smartphone – ein Schulprojekt mit Wirkung
Marc Körner-Nitsche, Dipl. Psychologe im Interview mit dem WDR
Am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bergisch Gladbach ging ein ungewöhnliches Schulprojekt zu Ende: 16 Schülerinnen und Schüler einer 7. Klasse haben drei Wochen lang bewusst auf ihr Smartphone verzichtet.
Dann ist es soweit – die Jugendlichen erhalten ihre Geräte zurück. Ein spannender Moment, der nicht nur Vorfreude, sondern auch Reflexion mit sich bringt.
Einige Kinder berichten, dass die fehlende Erreichbarkeit oder entstehende Langeweile zunächst ein Problem für sie waren. Gleichzeitig entdeckten viele neue Beschäftigungen: mehr Zeit für Hobbys, intensivere Gespräche mit Familie und Freunden oder auch einfach mehr Ruhe im Alltag.
Marc Körner-Nitsche, Dipl. Psych., Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeut und Experte für Mediensucht am St. Marien-Hospital erklärt, dass bereits jedes vierte Kind von Mediensucht bedroht ist. Die Folgen können fehlende soziale Kompetenzen sowie deutliche Konzentrationsprobleme sein– ein Aspekt, der die Bedeutung solcher Projekte zusätzlich unterstreicht.
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Beitrag vom 25.03.2026 | 18:45 Uhr | Minute 28:00
Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen
Zwischen Gewohnheit und Abhängigkeit
„Smartphones sind für viele Jugendliche weit mehr als nur ein Kommunikationsmittel“, erklärt Marc Körner-Nitsche, Dipl. Psychologe und Experte für Mediensucht an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des St. Marien-Hospitals in Düren.
„Sie sind Teil ihrer sozialen Identität, ihres Alltags und ihrer Freizeitgestaltung.“ Entsprechend groß ist die Herausforderung, plötzlich darauf zu verzichten.
Neue Freiräume entdecken
„Das Experiment zeigt sehr deutlich, dass digitale Medien oft unbewusst viel Raum einnehmen“, so M. Körner-Nitsche. „Wenn dieser Raum frei wird, entstehen neue Möglichkeiten – sowohl für soziale Interaktionen als auch für persönliche Entwicklung.“
Häufige Folgen von starkem Medienkonsum sind:
- Konzentrationsprobleme
- Schlafstörungen
- Rückgang sozialer Kompetenzen
Bewusster Umgang statt Verzicht
Trotz der positiven Effekte plädiert M. Körner-Nitsche nicht für ein generelles Verbot von Smartphones:
„Digitale Medien sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und bieten viele Chancen – etwa für Lernen, Kreativität und Vernetzung.“
Entscheidend sei vielmehr ein bewusster und reflektierter Umgang. Projekte wie dieses können dabei helfen, das eigene Nutzungsverhalten zu hinterfragen:
- Wie oft greife ich automatisch zum Handy?
- Welche Inhalte tun mir gut – und welche nicht?
- Wann nutze ich das Smartphone aus Gewohnheit statt aus echtem Bedarf?
Erfahrungen aus ähnlichen Projekten zeigen, dass zumindest ein Teil der Teilnehmenden langfristig bewusster mit digitalen Medien umgeht – etwa durch feste „Offline-Zeiten“ oder reduzierte Bildschirmzeit.
„Solche Experimente wirken wie ein Reset“, fasst M. Körner Nitsche zusammen.
„Sie schaffen Bewusstsein – und das ist der erste Schritt zu einem gesunden Umgang mit digitalen Medien.“