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150 Jahre Chirurgie am St. Marien-Hospital

Von den Anfängen bis zur Hightech-Medizin

150 Jahre medizinische Versorgung bedeuten nicht nur Tradition, sondern auch stetigen Fortschritt. Seit der Gründung des St. Marien-Hospitals im Jahr 1876 nimmt die Chirurgie eine zentrale Rolle in der Patientenversorgung ein. Was einst als handwerklich geprägte und oft risikoreiche Disziplin begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer hochpräzisen, technologisch unterstützten Spitzenmedizin entwickelt. Die Geschichte der Chirurgie am St. Marien-Hospital spiegelt dabei eindrucksvoll die gesamte Entwicklung dieses medizinischen Fachgebiets wider – von den Anfängen unter schwierigen Bedingungen bis hin zur modernen Hightech-Medizin.

Die Anfänge der Chirurgie: Handwerk unter extremen Bedingungen

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte die Chirurgie sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für die behandelnden Ärzte eine enorme Herausforderung dar. Operationen mussten schnell durchgeführt werden, da effektive Narkoseverfahren noch nicht etabliert waren. Schmerzen waren ein unvermeidbarer Bestandteil chirurgischer Eingriffe, und auch das Risiko von Infektionen war extrem hoch. Nicht selten führten postoperative Komplikationen zum Tod. Erst mit der Einführung moderner Narkosemittel gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde es möglich, Operationen kontrollierter und für die Patienten deutlich schonender durchzuführen. Parallel dazu veränderten antiseptische und später aseptische Verfahren die Chirurgie grundlegend: Instrumente wurden sterilisiert, Operationssäle hygienisch optimiert und Wunden gezielt keimfrei behandelt. Diese Entwicklungen führten zu einem drastischen Rückgang der Sterblichkeit und legten den Grundstein für die moderne operative Medizin.

Technisierung und Spezialisierung im 20. Jahrhundert

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts setzte eine Phase intensiver Technisierung ein. Auch am St. Marien-Hospital hielt der medizinische Fortschritt früh Einzug. Die Anschaffung eines Röntgengeräts im Jahr 1909 markierte einen Meilenstein in der Diagnostik, da erstmals Einblicke in das Körperinnere möglich wurden, ohne operativ eingreifen zu müssen. Gleichzeitig revolutionierten die Entdeckung und der Einsatz von Antibiotika die Behandlung von Infektionen und ermöglichten zunehmend komplexe chirurgische Eingriffe mit deutlich geringeren Risiken. Parallel dazu entwickelte sich die Chirurgie immer weiter in spezialisierte Fachbereiche. Aus der ursprünglich allgemeinen Chirurgie gingen differenzierte Disziplinen hervor, die sich gezielt einzelnen Organen, Krankheitsbildern und Patientengruppen widmen.

Ein besonders bedeutender Fortschritt in der chirurgischen Entwicklung war die Einführung der Endoskopie. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden erste starre Endoskope eingesetzt, um Hohlorgane wie Speiseröhre oder Magen zu untersuchen. Diese frühen Verfahren waren jedoch technisch begrenzt und für die Patienten oft unangenehm. Den entscheidenden Durchbruch brachte die Entwicklung flexibler Endoskope in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Mithilfe von Glasfasertechnologie konnten nun bewegliche Instrumente in den Körper eingeführt werden, die deutlich bessere Einblicke ermöglichten. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Endoskopie kontinuierlich weiterentwickelt: Hochauflösende Kameras, verbesserte Lichtquellen und moderne Bildverarbeitungssysteme machten sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Diagnostik und Therapie. Heute ermöglicht die Endoskopie nicht nur die frühzeitige Erkennung von Erkrankungen, sondern auch minimalinvasive Eingriffe – etwa die Entfernung von Polypen oder die Behandlung von Blutungen – ohne große Operationen. Sie bildet damit eine wichtige Brücke zwischen Diagnostik und interventioneller Medizin.

Die Revolution der minimalinvasiven Chirurgie

In den 1980er Jahren begann schließlich ein neues Kapitel der chirurgischen Geschichte: die Ära der minimalinvasiven Chirurgie. Die sogenannte Schlüssellochchirurgie revolutionierte die operative Medizin grundlegend. Anstelle großer Schnitte werden seitdem nur noch wenige, kleine Zugänge benötigt, über die feine Instrumente und eine Kamera in den Körper eingeführt werden. Die Kamera liefert hochauflösende dreidimensionale Bilder aus dem Inneren des Körpers, die auf Monitoren vergrößert dargestellt werden. Dadurch können Chirurginnen und Chirurgen Eingriffe mit hoher Präzision von außen steuern.

Diese Methode wird heute in weiten Teilen der Allgemeinchirurgie und angrenzender Fachbereiche eingesetzt, etwa bei Eingriffen an Magen und Darm, der Entfernung der Gallenblase, bei Blinddarmoperationen sowie bei Operationen an Gelenken. Ergänzend kommen moderne bildgebende und unterstützende Verfahren wie die Laparoskopie zum Einsatz, die eine noch präzisere Orientierung während des Eingriffs ermöglichen. Auch innovative Lasertechnologien beispielsweise zur schonenden Tumorentfernung und -versiegelung werden vor allem bei Eingriffen an der Lunge, Leber und in der Proktologie angewendet.

Die Vorteile sind für die Patientinnen und Patienten deutlich spürbar: geringere Schmerzen, kleinere Narben, eine schnellere Genesung sowie ein reduziertes Infektionsrisiko und kürzere Krankenhausaufenthalte. Die minimalinvasive Chirurgie hat sich inzwischen als Standardverfahren in vielen Bereichen etabliert und ist aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken.

Heute: Robotische Präzision im OP

Heute setzt das St. Marien-Hospital diesen Weg konsequent fort und gehört zu den Einrichtungen, die modernste Technologien gezielt in der Patientenversorgung einsetzen. In der viszeralchirurgischen Abteilung arbeitet Chefarzt Dr. med. Markus Meibert gemeinsam mit seinem Team mit innovativen robotischen Instrumenten. Diese hochentwickelten Systeme ermöglichen eine außergewöhnliche Präzision und Bewegungsfreiheit, die weit über die Möglichkeiten klassischer Instrumente hinausgeht. Selbst komplexe Eingriffe können so sicher und schonend durchgeführt werden. Die robotische Chirurgie vereint dabei die Vorteile der offenen Operation mit denen der minimalinvasiven Technik und stellt einen bedeutenden Fortschritt insbesondere bei anspruchsvollen Eingriffen im Bauchraum dar.

Als zertifiziertes Darmkrebszentrum ist das St. Marien-Hospital zudem auf die Behandlung von Tumorerkrankungen im Bauchraum spezialisiert. Ein entscheidender Faktor für den Behandlungserfolg ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Viszeralchirurgie, Gastroenterologie, Onkologie und Radiologie arbeiten Hand in Hand, um für jede Patientin und jeden Patienten eine individuelle, leitliniengerechte Therapie auf höchstem medizinischem Niveau sicherzustellen. Um diese Kompetenzen gezielt zu bündeln und gleichzeitig die Wege für die Patientinnen und Patienten so kurz wie möglich zu halten, haben wir eine interdisziplinäre Bauchstation. Hier erfolgt die Versorgung fachübergreifend und eng abgestimmt, sodass Diagnostik, Therapie und Nachsorge optimal ineinandergreifen.

Auch die Endoskopie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem rein diagnostischen Verfahren zu einem zentralen Bestandteil moderner, minimalinvasiver Therapie entwickelt. Am St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf nimmt sie heute eine Schlüsselrolle in der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen des Verdauungstrakts ein. Aufbauend auf einer langen medizinischen Tradition verbindet die gastroenterologische Abteilung modernste Technologien mit hoher fachlicher Expertise und interdisziplinärer Zusammenarbeit, unter anderem mit der chirurgischen Abteilung.

Die moderne Chirurgie präsentiert sich heute als hochdifferenziertes Fachgebiet mit zahlreichen Spezialisierungen. Dazu zählen unter anderem die Allgemeine Chirurgie, die Viszeralchirurgie, die Thoraxchirurgie, die Proktologie, die endokrine Chirurgie sowie die Hernienchirurgie. Auch die Kinderchirurgie (sowohl Viszeral- als auch Unfallchirurgie) nimmt einen wichtigen Stellenwert ein: Im Kinderzentrum des St. Marien-Hospitals werden junge Patientinnen und Patienten von speziell ausgebildeten Chirurgen betreut, die neben hoher fachlicher Kompetenz auch besonderes Einfühlungsvermögen mitbringen.

Der Blick auf 150 Jahre Chirurgie am St. Marien-Hospital zeigt eindrucksvoll, wie rasant sich die Medizin entwickelt hat. Von den Anfängen unter schwierigen Bedingungen über die Einführung bahnbrechender Technologien bis hin zur heutigen Hightech-Medizin steht die Chirurgie exemplarisch für Fortschritt, Innovation und den unermüdlichen Einsatz für die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten.


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