Die Entwicklung der Geriatrie
150 Jahre St. Marien-Hospital
Die Geschichte des St. Marien-Hospitals ist eng mit dem Wandel der Medizin verbunden. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in der Entwicklung der Geriatrie – jenem Fachgebiet, das sich der umfassenden Versorgung älterer Menschen widmet. Was einst als kleine, spezialisierte Einheit begann, hat sich zu einem zentralen Bestandteil des Hauses entwickelt. Heute steht die Geriatrie nicht nur für medizinische Expertise, sondern auch für eine Haltung: ältere Menschen mit Respekt, Empathie und fachlicher Tiefe zu begleiten.
Von den Anfängen der Altersmedizin zur eigenen Disziplin
Als das Marien-Hospital im 19. Jahrhundert seine Türen öffnete, lag der Fokus vor allem auf der Grundversorgung von Kranken und Bedürftigen. Medizinische Möglichkeiten waren begrenzt, doch Engagement, Mitgefühl und der Wille zu helfen prägten die tägliche Arbeit. Ordensschwestern und Pflegekräfte kümmerten sich um Menschen jeden Alters – häufig unter schwierigen Bedingungen.
Parallel dazu entstanden erste wissenschaftliche Ansätze zur Altersmedizin. Ein wichtiger Impuls kam 1881 vom französischen Neurologen Jean-Martin Charcot, der erstmals spezifische Krankheitsphänomene des Alters beschrieb. Dennoch dauerte es viele Jahrzehnte, bis sich die Geriatrie als eigenständige medizinische Disziplin etablieren konnte. Erst im 20. Jahrhundert – nicht zuletzt durch die steigende Lebenserwartung – gewann sie zunehmend an Bedeutung.
Ein entscheidender Schritt in Deutschland war die Gründung der Deutsche Gesellschaft für Geriatrie im Jahr 1985. Sie schuf die Grundlage für eine strukturierte Weiterentwicklung und stärkere wissenschaftliche Verankerung der Altersmedizin.
Pionierarbeit der Altersmedizin in der Region Düren
Im Kreis Düren nahm das St. Marien-Hospital in Düren-Birkesdorf früh eine Vorreiterrolle ein: Bereits 1990 wurde hier eine spezialisierte geriatrische Abteilung aufgebaut – eine der ersten in der Region. Von Beginn an lag der Fokus auf der Behandlung älterer, häufig multimorbider Patientinnen und Patienten, deren Versorgung besondere medizinische und pflegerische Anforderungen stellt.
Seitdem ist die Geriatrie ein fester Bestandteil des Hauses und hat sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Erweiterungsbau Geriatrie 2015
Multiprofessionelle Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Ein zentrales Merkmal der geriatrischen Versorgung am St. Marien-Hospital ist der multiprofessionelle Ansatz. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Psychologinnen und Psychologen, Neurologinnen und Neurologen sowie Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten eng zusammen, um eine umfassende Betreuung sicherzustellen. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es, die komplexen medizinischen, psychischen und sozialen Bedürfnisse älterer Menschen ganzheitlich zu erfassen und zu behandeln.
Zercur – Fachweiterbildungen - garantieren ein professionelles und kontinuierlich weitergebildetes Team, das unseren Patientinnen und Patienten mit Kompetenz, Empathie und Respekt begegnet.
Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Unfallchirurgie und der Schlaganfallstation des St. Augustinus-Krankenhauses in Lendersdorf. Diese Vernetzung ermöglicht eine optimale Versorgung – von der Akutbehandlung bis zur Förderung der Selbstständigkeit und Rückkehr in den Alltag.
Moderne Altersmedizin mit Zukunftsperspektive
Heute steht die geriatrische Abteilung des St. Marien-Hospitals für eine ganzheitliche, interdisziplinäre Medizin mit einem klaren Fokus auf Frührehabilitation. Unter der Leitung von Dr. Christian Kautz hat sich das Leistungsspektrum kontinuierlich erweitert.
Die Klinik für Akutgeriatrie am St. Marien-Hospital verbindet akutmedizinische Versorgung mit frührehabilitativen Ansätzen. Die Abteilung ist zertifiziert und trägt das „Qualitätssiegel Geriatrie für Akutkliniken“. Entscheidend ist dabei weniger das Siegel als der Alltag: strukturierte Abläufe, eingespielte Teams und eine konsequent am individuellen Bedarf orientierte Behandlung, um Alltagsautonomie und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen.
In der Birkesdorfer Akutgeriatrie werden eine Reihe typischer Erkrankungen und akuter Zustände behandelt, die im Alter besonders relevant sind:
akute Schlaganfälle mit Lähmungs-, Sprach- oder Schluckstörungen, Parkinsonerkrankungen mit motorischen und funktionellen Defiziten, Störungen des Flüssigkeits- und Salzhaushalts, schwere Infekte der Atem- oder Harnwege, akute Herz-Kreislauf-Dekompensationen, Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Schwindel-Sturz-Syndrome, Funktionseinschränkungen nach Frakturen oder Amputationen, akute oder chronische Schmerzsyndrome, Mangel- oder Fehlernährung sowie Delir und die Abklärung von Demenzerkrankungen.
Für Angehörige bedeutet das vor allem Verlässlichkeit. Die Versorgung ihrer älteren Familienmitglieder im St. Marien-Hospital ist eingebettet in klare diagnostische Abläufe, interdisziplinäre Therapieplanung und frühzeitige Einbindung von Sozialdienst und Entlass-Management. Für Betroffene lohnt sich ein frühzeitiger Austausch über Behandlungsziele und Versorgungskonzepte.
Der Bedarf an spezialisierter medizinischer Versorgung im geriatrischen Bereich wächst stetig – sowohl aufgrund des demografischen Wandels als auch wegen der zunehmend komplexen gesundheitlichen Anforderungen älterer Menschen. Um dieser steigenden Nachfrage gerecht zu werden, stärkt das St. Marien Hospital diesen Fachbereich kontinuierlich. Durch gezielte Investitionen in Personal, Ausstattung und moderne Behandlungskonzepte stellen wir sicher, dass ältere Patientinnen und Patienten auch künftig eine Versorgung auf höchstem Niveau erhalten. Unser Anspruch ist klar: Die geriatrische Medizin soll nicht nur mit dem Bedarf Schritt halten, sondern ihn vorausschauend und verantwortungsvoll begleiten.
150 Jahre St. Marien-Hospital stehen für medizinischen Fortschritt, Engagement und Anpassungsfähigkeit. Die Entwicklung der Geriatrie zeigt exemplarisch, wie sich das Haus den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft stellt – mit Fachkompetenz, Innovation und einem klaren Fokus auf den Menschen.
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