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Vom „Ätherrausch“ zur Hochleistungsmedizin

Anästhesie und Notfallmedizin

Wer heute operiert wird oder als Notfallpatient in ein Krankenhaus kommt, kann sich auf eine hochmoderne medizinische Versorgung verlassen. Narkoseverfahren sind sicher, Vitalfunktionen werden lückenlos überwacht und spezialisierte Teams stehen rund um die Uhr bereit. Vor 150 Jahren sah die Realität jedoch völlig anders aus.

Als das St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf im Jahr 1875 seine Arbeit aufnahm, befanden sich sowohl die Anästhesie als auch die organisierte Notfallversorgung noch in den Anfängen ihrer Entwicklung. Die vergangenen eineinhalb Jahrhunderte zeigen, wie aus einfachen und oft risikoreichen Verfahren die moderne Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin entstanden ist.

Die Medizin im Jahr 1875: Operationen ohne Sicherheit

Im Jahr 1875 gab es weder eine Notaufnahme im heutigen Sinne noch spezialisierte Anästhesisten. Patienten gelangten zu Fuß, mit Pferdewagen, durch Angehörige oder der Polizei ins Krankenhaus. Eine strukturierte Notfallversorgung existierte nicht.

Auch die Möglichkeiten während einer Operation waren äußerst begrenzt. Beatmungsgeräte, Überwachungssysteme für Puls, Blutdruck oder Sauerstoffsättigung gab es noch nicht. Viele Eingriffe wurden sogar ohne Narkose durchgeführt. Operationen mussten vor allem schnell durchgeführt werden, denn jede Minute bedeutete zusätzliche Schmerzen und Risiken für die Patienten. Hinzu kamen hohe Sterblichkeitsraten durch Wundinfektionen und Narkosezwischenfälle.

Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 1846, als in Boston erstmals öffentlich eine Äthernarkose erfolgreich durchgeführt wurde. Zum ersten Mal war es möglich, Patienten während einer Operation gezielt in einen schmerzfreien Zustand zu versetzen.

1884 wurde Kokain erstmals als Lokalanästhetikum eingesetzt und eröffnete neue Möglichkeiten für kleinere Eingriffe. Zwischen 1900 und 1945 wurden zunehmend sicherere Narkosemittel entwickelt. Gleichzeitig etablierte sich die endotracheale Intubation – das Einführen eines Beatmungsschlauchs in die Luftröhre – als wichtiger Meilenstein für die sichere Atemwegssicherung während Operationen.

Die erste erfolgreich eingesetzte maschinelle Langzeitbeatmung entstand 1928 in Boston mit der sogenannten „Eisernen Lunge“. Dieses damals revolutionäre Gerät unterstützte Patienten mit schweren Atemlähmungen und gilt als Vorläufer moderner Beatmungstechnologien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Anästhesie zu einem eigenständigen medizinischen Fachgebiet. Spezialisierte Anästhesisten übernahmen zunehmend die Verantwortung für Narkosen und die Betreuung kritisch kranker Patienten. Moderne Narkosegeräte wurden zum Standard und die Patientensicherheit rückte stärker in den Mittelpunkt.

Einen weiteren Meilenstein stellte die Polio-Epidemie von 1952 in Kopenhagen dar. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse führten zur Entwicklung der modernen Intensivbeatmung und legten den Grundstein für die heutige Intensivmedizin. Gleichzeitig entstanden die ersten Aufwachräume und standardisierte Verfahren zur Wiederbelebung.

Die Geburtsstunde der modernen Notfallmedizin

Zwischen den 1960er- und 1970er-Jahren wurde in Deutschland das Notarztsystem eingeführt und der Rettungsdienst professionalisiert. Damit veränderte sich die Versorgung von Notfallpatienten grundlegend.
Bis heute gilt dabei der Leitsatz des Heidelberger Chirurgen Martin Kirschner:
Nicht der Verletzte muss so schnell wie möglich zum Arzt, sondern der Arzt zum Verletzten.

Anästhesisten wurden zu einer tragenden Säule des modernen Rettungsdienstes und der präklinischen Notfallmedizin. Ihre Expertise in der Atemwegssicherung, Beatmung und Kreislaufstabilisierung macht sie bis heute zu einem unverzichtbaren Bestandteil in der Versorgung schwerkranker und verletzter Patienten.

Dr. med. Rainer Terhorst, Chefarzt der Anästhesie, schwelgt in Erinnerungen, den Koffer mit alten Anästhesieinstrumenten hat er von seinem Vorgänger Dr. med. Salentin erhalten.

Ein besonders wichtiger Fortschritt war die Einführung der Pulsoxymetrie. Dieses schmerzfreie und nicht-invasive Verfahren misst kontinuierlich die Sauerstoffsättigung des Blutes sowie die Herzfrequenz. Ein kleiner Sensor am Finger liefert dabei wichtige Informationen über die Sauerstoffversorgung des Patienten.

Ergänzt wird diese Überwachung durch die Kapnometrie. Dabei wird der Kohlendioxidgehalt in der Ausatemluft kontinuierlich gemessen. Dieses Verfahren ermöglicht eine sichere Kontrolle der Atmung und gehört heute zum Standard moderner Anästhesie und Intensivmedizin.

Auch am St. Marien-Hospital wurde Anfang der 1970er Jahre unter Dr. Salentin und Dr. Oberschüler die erste Fachabteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin eingerichtet und aufgebaut.
Ab den 1980er-Jahren hielten zahlreiche technische Innovationen Einzug in Operationssäle, Intensivstationen und Notaufnahmen.
Schockräume wurden eingerichtet, die Computertomographie revolutionierte die Notfalldiagnostik und die Versorgung von Schwerverletzten wurde zunehmend standardisiert.
Gleichzeitig gewannen computergestützte Überwachungssysteme, Regionalanästhesien und moderne Monitoringverfahren an Bedeutung.

Das 21. Jahrhundert: Individualisierte Medizin und zentrale Notaufnahmen

Seit den 2000er-Jahren haben hochentwickelte Beatmungsverfahren, ultraschallgestützte Regionalanästhesien und individualisierte Schmerztherapien die Patientenversorgung weiter verbessert. Die Sicherheit der Patienten steht heute mehr denn je im Mittelpunkt aller medizinischen Maßnahmen.
Auch die Notfallversorgung hat sich grundlegend verändert. Die ersten Zentralen Notaufnahmen entstanden, moderne Triage-Systeme wurden eingeführt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche wurde zum Standard.

Während Notfallpatienten früher häufig direkt den einzelnen Fachabteilungen zugeführt wurden, erfolgt heute die Erstversorgung in einer Zentralen Notaufnahme durch speziell ausgebildetes Fachpersonal. Dort werden Patienten nach Dringlichkeit eingeschätzt, stabilisiert und anschließend zielgerichtet in die entsprechenden Fachabteilungen weitergeleitet.

Angesichts kontinuierlich steigender Patientenzahlen in deutschen Notaufnahmen ist diese strukturierte Organisation heute wichtiger denn je.

Rund um die Uhr für Sie da – die Zentrale Notaufnahme

Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) des St. Marien-Hospitals Düren-Birkesdorf ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet. Patientinnen und Patienten mit akuten Beschwerden, Verletzungen oder medizinischen Notfällen können sich jederzeit an unser erfahrenes interdisziplinäres Team wenden.

Dank kurzer Wege und einer engen Zusammenarbeit aller Fachabteilungen können Notfälle schnell eingeschätzt, diagnostiziert und unmittelbar behandelt werden. Modern ausgestattete Untersuchungs- und Behandlungsräume ermöglichen eine umfassende Versorgung auf hohem medizinischem Niveau.

Für gynäkologische Notfälle steht in der Zentralen Notaufnahme ein speziell eingerichteter Untersuchungsraum zur Verfügung. Dadurch können Patientinnen mit akuten gynäkologischen Beschwerden direkt vor Ort durch erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte untersucht und versorgt werden – ohne Zeitverlust und in geschützter Atmosphäre.

Moderne Anästhesie und Intensivmedizin im St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf

Heute gehören Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin selbstverständlich zusammen. Das St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf hat sich dabei insbesondere im Bereich der Pneumologie und Beatmungsmedizin spezialisiert.

Die komplexe Pneumologie am St. Marien-Hospital ist fokussiert auf die Diagnostik und Behandlung sämtlicher Erkrankungen der Lunge, der Atemwege und der sogenannten Atempumpe. Ein erfahrenes Team aus Lungenfachärzten, Intensivmedizinern und Atmungstherapeuten setzt modernste diagnostische und therapeutische Verfahren ein, um Patienten individuell und auf höchstem medizinischem Niveau zu versorgen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der intensivmedizinischen Betreuung akuter pneumologischer Erkrankungen. Dazu gehören komplexe Beatmungstherapien ebenso wie die Entwöhnung vom Respirator (Weaning), die für viele Patienten einen entscheidenden Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben darstellt.
Auch nach der intensivmedizinischen Akutbehandlung werden moderne nicht-invasive Beatmungsverfahren auf den Normalstationen fortgeführt und bei Bedarf ambulant weiterbetreut. So können wir den individuellen Bedürfnissen der Patienten gerecht wird.

Das St. Marien-Hospital führt jährlich rund 5.000 Anästhesien durch. Während des gesamten Eingriffs werden alle Patientinnen und Patienten im 1:1-Verhältnis von einer Anästhesistin bzw. einem Anästhesisten sowie einer Anästhesiepflegekraft betreut. Neben dem breiten anästhesiologischen Leistungsspektrum liegen besondere Schwerpunkte in der Kinderanästhesie und der geburtshilflichen Betreuung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für das St. Marien-Hospital der Klimaschutz. Narkosegase werden in vielen Krankenhäusern nach ihrer Nutzung über spezielle Absauganlagen direkt in die Atmosphäre abgegeben. Da es sich dabei um starke Treibhausgase handelt, tragen sie zur Belastung des Klimas bei. Um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, setzt das St. Marien-Hospital auf ein modernes Rückgewinnungssystem: Die Narkosegase werden in speziellen Aktivkohlefiltern aufgefangen und anschließend an den Hersteller zurückgeführt. Dort werden die Gase aufbereitet und können erneut verwendet werden. So verbindet das Krankenhaus eine hochwertige Patientenversorgung mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Umwelt.

150 Jahre medizinischer Fortschritt

Die Geschichte der Anästhesie und Notfallmedizin spiegelt die Entwicklung der gesamten modernen Medizin wider. Von den ersten Äthernarkosen über die „Eiserne Lunge“, die Einführung des Notarztsystems und die Entstehung der Intensivmedizin bis hin zu hochspezialisierten Beatmungsverfahren und Zentralen Notaufnahmen war es ein langer Weg.
Was 1875 mit einfachen Mitteln begann, ist heute eine hochmoderne, patientenorientierte Medizin, die Leben rettet, Schmerzen verhindert und schwerkranken Menschen neue Perspektiven eröffnet.

Das St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf ist seit 150 Jahren Teil dieser Entwicklung – und wird auch in Zukunft daran mitwirken, medizinische Versorgung auf höchstem Niveau für die Menschen der Region sicherzustellen.


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