Endlich wieder frische Luft atmen
Zurück ins Leben - die schrittweise Entwöhnung von der Beatmung
Nach 8 Wochen auf der Intensivstation, einer schweren Erkrankung und zahlreichen Tagen an der Beatmungsmaschine war es für Anita S. aus Zülpich-Dürscheven ein ganz besonderer Moment: Zum ersten Mal seit ihrem Krankenhausaufenthalt konnte sie wieder die Sonne auf ihrer Haut spüren und frische Luft atmen.
Alles begann mit Schwindel und einer plötzlichen Ohnmacht. Der Rettungsdienst brachte die Patientin zunächst in ein Krankenhaus im Kreis Euskirchen. Dort musste sie aufgrund ihres kritischen Gesundheitszustandes künstlich beatmet und intensivmedizinisch versorgt werden. Vier Wochen lag sie im Koma, bevor sich ihr Zustand langsam stabilisierte.
Anschließend wurde Frau S. in die Komplexe Pneumologie des St. Marien-Hospitals Düren-Birkesdorf verlegt. Hier begann die nächste wichtige Etappe ihres Weges zurück ins Leben: das sogenannte Weaning – die schrittweise Entwöhnung von der Beatmung.
Vier Wochen später sind die Fortschritte beeindruckend. Frau S. benötigt nur noch zeitweise Unterstützung bei der Atmung und wird voraussichtlich schon bald ihre Rehabilitation antreten können.
Die Fortschritte von Anita S. sind das Ergebnis einer intensiven und interdisziplinären Behandlung. Nach Wochen der künstlichen Beatmung mussten ihre Atemmuskulatur und ihre Lungenfunktion Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden. Dabei arbeiten Pneumologinnen und Pneumologen, Intensivmedizinerinnen und Intensivmediziner, Atmungstherapeutinnen und -therapeuten sowie speziell geschulte Pflegekräfte eng zusammen.
„Das Weaning ist weit mehr als das Abschalten eines Beatmungsgerätes“, erklärt Dr. Sascha Zschernitz, leitender Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin. „Unser Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten behutsam und individuell wieder zu einer selbstständigen Atmung zu führen. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf diesen Prozess. Umso schöner ist es, wenn wir erleben dürfen, wie sich unsere Patientinnen und Patienten Schritt für Schritt erholen und neue Kraft gewinnen."
Ein Moment voller Emotionen
Als besondere Überraschung organisierte das Pflegeteam einen kleinen Ausflug in den Krankenhauspark. Mithilfe eines Mobilisierungsstuhls wurde Frau S. sicher aus ihrem Zimmer gebracht.
Bereits auf dem Weg durch das Krankenhaus war ihr die Vorfreude deutlich anzusehen. Immer wieder lächelte sie und konnte ihre Aufregung kaum verbergen.
„Endlich wieder frische Luft atmen“, sagt sie mit strahlenden Augen.
Als sich die Türen zum Park öffnen, fällt warmes Sonnenlicht auf ihr Gesicht. Für einen Moment kneift sie die Augen zusammen, genießt die Wärme und atmet tief durch. Ein Augenblick, der für viele selbstverständlich erscheint – für Anita S. jedoch zu einem ganz besonderen Meilenstein geworden ist.
Vor ihrer Erkrankung verbrachte sie viel Zeit im Freien. Umso größer ist nun die Freude über diesen ersten Ausflug.
„Es bedeutet mir unendlich viel, wieder draußen zu sein. Dieses Gefühl kann man kaum beschreiben“, erzählt sie sichtlich bewegt.
Ihr größter Wunsch ist es nun, die Beatmung vollständig hinter sich zu lassen, die Rehabilitation zu beginnen und endlich wieder nach Hause zu ihrer Familie zurückzukehren.
Jeder kleine Fortschritt ist ein großer Erfolg
Auch das Behandlungsteam freut sich über diesen besonderen Moment.
„Für uns sind solche Augenblicke etwas ganz Besonderes“, berichtet das Pflegeteam. „Viele unserer Patientinnen und Patienten sind so schwer erkrankt, dass sie die Intensivstation nicht verlassen können. Oft lassen es ihr Gesundheitszustand oder die notwendige Medizintechnik nicht zu. Wenn sich jedoch die Möglichkeit ergibt, einen Patienten sicher in den Park zu begleiten, nutzen wir diese sehr gerne. Zu sehen, welche Freude ein paar Minuten an der frischen Luft schenken können, ist auch für uns etwas sehr Bewegendes.“
Der Ausflug ist dabei weit mehr als nur eine schöne Überraschung. Frühzeitige Mobilisation und positive Erlebnisse können den Genesungsprozess unterstützen, neue Kraft schenken und zusätzliche Motivation für die nächsten Therapieschritte geben.
Spezialisiert auf komplexe Beatmung und Weaning
Die komplexe Pneumologie am St. Marien-Hospital Düren-Birkesdorf ist auf die Diagnostik und Behandlung sämtlicher Erkrankungen der Lunge, der Atemwege sowie der Atempumpe als einziges Krankenhaus im Kreis Düren spezialisiert.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der intensivmedizinischen Versorgung schwer erkrankter Patientinnen und Patienten sowie auf der Entwöhnung von der künstlichen Beatmung (Weaning). Ein erfahrenes interdisziplinäres Team aus Lungenfachärztinnen und -ärzten, Atmungstherapeutinnen und -therapeuten sowie speziell geschulten Pflegefachkräften begleitet die Betroffenen Schritt für Schritt auf ihrem Weg zurück in ein selbstständiges Leben.
Der Ausflug von Anita S. in den Park zeigt, dass moderne Intensivmedizin weit mehr bedeutet als Leben zu retten. Sie begleitet Menschen auf ihrem Weg zurück in den Alltag – oft mit vielen kleinen Schritten, die am Ende einen großen Unterschied machen.