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Von Düren nach Indien

Schüleraustausch mal anders

Aus einem lockeren Spruch wurde ein unvergessliches Abenteuer. Für Luis Leite-Wüst, Auszubildender zur Pflegefachkraft am Rur-Campus, begann alles mit einer Freundschaft.

Während seiner Ausbildung lernte Luis seinen Mitschüler Joyal kennen, der aus Indien nach Deutschland gekommen war, um hier die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu absolvieren. Als Joyal nach eineinhalb Jahren erstmals wieder in seine Heimat reiste, sprach er eine Einladung aus: „Komm doch mit nach Indien und lern mein Land und meine Familie kennen.“ Was zunächst immer wieder scherzhaft erwähnt wurde, wurde schließlich Wirklichkeit. Luis packte seine Koffer und machte sich für drei Wochen auf den Weg nach Indien.

Mitten im Familienleben statt im Hotel

Vor Ort durfte Luis nicht nur ein faszinierendes Land entdecken, sondern vor allem das echte Leben kennenlernen. Statt in einem Hotel zu wohnen, lebte er gemeinsam mit Joyals Familie und tauchte direkt in den Alltag und die Kultur ein.
Besonders bewegend war der Empfang, den Joyal nach seiner Rückkehr erlebte. Nach eineinhalb Jahren wurde er von seiner Familie mit Tränen, herzlichem Lachen und einem großen Familienfest begrüßt. Zahlreiche Angehörige kamen zusammen, um ihn willkommen zu heißen – und Luis war mittendrin.
Ich wurde sofort als Teil der Familie aufgenommen. Diese Herzlichkeit und Gastfreundschaft haben mich tief beeindruckt“, erzählt Luis.

Ein Blick in das indische Gesundheitswesen

Als angehende Pflegefachkraft interessierte sich Luis natürlich auch für das Gesundheitssystem seines Gastlandes. Gemeinsam mit indischen Freunden, besuchte er ein staatliches Krankenhaus, um einen Einblick in die Arbeitsabläufe vor Ort zu erhalten.
Die Unterschiede zum deutschen Gesundheitswesen waren für ihn deutlich spürbar.
Es war komplett anders. Die Krankenhäuser waren extrem voll und überall warteten Menschen auf medizinische Hilfe.
Vor allem die Wartezeiten hinterließen Eindruck. Während in Deutschland Wartezeiten von wenigen Stunden häufig als lang empfunden werden, gehören überfüllte Wartebereiche und deutlich längere Wartezeiten in vielen staatlichen Krankenhäusern Indiens zum Alltag.
Gleichzeitig erkannte Luis auch die Stärken des deutschen Pflegesystems.
Da habe ich gemerkt, wie privilegiert wir in Deutschland sind. Wir nehmen uns Zeit für jeden einzelnen Menschen, unterstützen bei der Körperpflege und können unsere pflegerische Arbeit intensiv am Patienten ausüben.
Staatliche Krankenhäuser in Indien ermöglichen grundsätzlich allen Menschen – unabhängig von ihrem Einkommen – den Zugang zu medizinischer Versorgung. Gleichzeitig führt die hohe Nachfrage häufig zu überfüllten Einrichtungen sowie einem Mangel an Betten und Personal.

Das Land entdecken

Nach dem Aufenthalt bei Joyals Familie nutzte Luis weitere eineinhalb Wochen, um Indien auf eigene Faust zu bereisen. Dabei lernte er unterschiedliche Regionen und Landschaften kennen.

Von eindrucksvollen Kamelrennen bis zu den traumhaften Stränden des Landes sammelte er zahlreiche unvergessliche Eindrücke und lernte die kulturelle Vielfalt Indiens kennen.
Gastfreundschaft, die in Erinnerung bleibt
Was Luis besonders beeindruckte, war die Offenheit der Menschen.
Ich wurde überall mit offenen Armen empfangen und immer wieder spontan zum Essen eingeladen. So eine Gastfreundschaft habe ich in dieser Form bisher noch nicht erlebt.“
An einen Abend erinnert er sich besonders gerne: Am Strand wurde er von einer Gruppe junger Inder eingeladen, gemeinsam zu essen und zu feiern.
Es war ein wunderschöner Abend, den ich nie vergessen werde.“

Die größte Herausforderung: das Essen
Nicht die Sprache oder die große Entfernung von Zuhause stellten für Luis die größte Herausforderung dar – sondern die indische Küche.
Das Essen ist unglaublich scharf. Selbst morgens gibt es häufig Curry. Da freut man sich als Europäer irgendwann einfach über eine Scheibe Weißbrot.
Mit der Zeit gewöhnte sich sein Magen zwar an die Gewürze, dennoch blieb das Essen eine Herausforderung.
Die Küche ist oft entweder sehr scharf oder sehr süß – und warme Speisen gibt es zu jeder Tageszeit.


Erfahrungen, die bleiben

Die Reise nach Indien war für Luis weit mehr als ein Urlaub. Sie bot ihm die Möglichkeit, eine andere Kultur kennenzulernen, internationale Freundschaften zu vertiefen und wertvolle Einblicke in ein völlig anderes Gesundheitssystem zu gewinnen.
Gerade für angehende Pflegefachkräfte sind solche Erfahrungen besonders wertvoll. Sie erweitern den persönlichen Horizont, fördern interkulturelles Verständnis und zeigen, wie unterschiedlich Pflege weltweit gelebt wird.
Für Luis steht fest: Die Begegnungen mit den Menschen, die Gastfreundschaft und die vielen neuen Eindrücke werden ihn noch lange begleiten.

Von Düren nach Indien – und mit einem Koffer voller Erinnerungen zurück. Vielfalt leben bedeutet, voneinander zu lernen und gemeinsam zu wachsen.

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